CPT Kolumbien

Christian Peacemaker Teams (CPT) Kolumbien setzt auf Methoden der aktiven Gewaltlosigkeit, um das Reich Gottes zu fördern: eine Welt, die auf Respekt, Gerechtigkeit und Liebe - gegenüber dem Feind - basiert.

 

CPT hat seit 2001 ein Projekt in der Region Magdalena Medio in Kolumbien (Karten ansehen). Durch die Anwesenheit der Gruppe wurden die teilweise Rückkehr und der Wiederaufbau von ländlichen Gemeinschaften erleichtert, die durch den Krieg vertrieben worden waren. Sie dokumentiert außerdem die Menschenrechtssituation der Bevölkerung, um ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen und gibt einen jährlichen Menschenrechtsbericht heraus.

 

BarrancabermejaDas Projekt wurde von kolumbianischen und internationalen Mitarbeitern von CPT entwickelt und hat seinen Sitz in Barrancabermeja. „Barranca“ liegt etwa neun Busstunden nördlich von Bogota und ist das Zentrum eines Erdölfördergebietes. Dort befinden sich die größten Erdölraffinerien des Landes. Daher wird die Stadt auch "Benzin-Hauptstadt" genannt. Um die politische und wirtschaftliche Kontrolle des Gebietes kämpfen Militär und paramilitärische Gruppen gegen die Guerilla.

Zivilisten geraten nicht nur zufällig zwischen die Fronten; sie werden auch gezielt angegriffen. Besonders gefährdet sind Zivilisten, die politisch aktiv sind oder die Land besitzen, das von besonderem wirtschaftlichem Interesse ist. Seit April 2007 wurden mehr als dreieinhalb Millionen Kolumbianer durch Gewalt oder Androhung weiterer Gewalt von ihrem Land und aus ihren Häusern vertrieben und damit ihrer Existenzgrundlage beraubt.

In der Region gibt es zahlreiche lokale Organisationen, die sich für Gewaltlosigkeit, Soziales und Menschenrechte einsetzen. CPT unterstützt diese einheimischen Gruppen beim Aufbau eines gerechten Friedens. In den letzten Jahren begann CPT außerdem mit der Begleitung bedrohter Menschen in anderen Landesteilen.

Außerdem versucht CPT den kolumbianischen Kampf für Frieden vor Ort und in Nordamerika durch Publikationen und durch Informationsreisen bekannt zu machen.

 

Cristo del Petrolero

Internationale Mitglieder von CPT Kolumbien, v.a. aus Nordamerika, sind auch in ihren Heimatländern aktiv. Dort machen sie Öffentlichkeitsarbeit, beeinflussen ihre Regierungen, organisieren oder beteiligen sich an öffentlichen Aktionen und Demonstrationen, und arbeiten mit ihren Unterstützern und anderen in Nordamerika beheimateten Organisationen zusammen. Unterstützer werden ermutigt, sich über Kolumbien zu informieren und an einer veränderten politischen Haltung im Land zu arbeiten. Statt militärischer Lösungen und einer fortwährenden wirtschaftlichen Abhängigkeit Kolumbiens, sollen gewaltfreie Ansätze zur Konfliktlösung, der Aufbau von Gemeinschaften und Autonomie gefördert werden.

Bedrohte Gemeinden, Organisationen und ihre Leitung

Bedrohte Gemeinden, Organisationen und ihre Leitung

Auf Grund der Einladung durch die mennonitischen Kirche in Kolumbien begann CPT 2001 mit der Arbeit vor Ort. Zu Beginn wurden umgesiedelte Gemeinden in der Opon Region südlich von Barrancabermeja begleitet. Die Menschen sind aus ihren Häusern geflohen da sie sich durch Paramilitärs bedroht fühlten und haben in der Stadt Schutz gesucht. Aus wirtschaftlichen Gründen und Sicherheitsbedenken haben sie sich jedoch entschieden wieder in ihre Heimat und Häuser  am Opónsee und -fluss zurückzukehren. Dort betreiben sie Landwirtschaft, Fischzucht und Waldwirtschaft um ihren Lebensunterhalt zu sichern.


Zu dieser Zeit haben die Gemeinden CPT angefragt ob es möglich ist eine ständige Vertretung vor Ort zu haben. Dies geschah in der Hoffnung durch internationale Begleitung eine erneute Vertreibung zu verhindern. Die Paramilitärs betreiben ein illegales Kartell zum Diebstahl und Handel von Treibstoff. Dieses Kartell zapft aus den Pipelines der Regierung Treibstoff ab und verkauft es auf dem Schwarzmarkt oder an Kokalabors die es für die Produktion von Kokain benötigen. Früher wurde das Kartell von den FARC Rebellen, die weiterhin in der Region aktiv sind, kontrolliert. Das Militär geht zwar gegen die Rebellen vor, doch die Menschen vor Ort fühlen sich dennoch in ihrer Sicherheit bedroht, da es früher auch zur Zusammenarbeit zwischen den Rebellen und dem Militär gekommen ist.


Die Region, mit in Rot die ÖlleitungSo erleben die Menschen in der Region auch das Militär als eine Gefahr für ihre Sicherheit. CPT verbringt weiterhin mehrere Tage der Woche in der Gegend. Sie besuchen die Menschen die am Fluss leben und fordern von allen bewaffneten Konfliktparteien, egal ob Militärs, Paramilitärs oder Rebellen die Zivilbevölkerung nicht in die Konflikte zu involvieren. Wir verurteilen jeden Verstoß gegen die Menschenrechte, doch trotz unserer Präsenz vor Ort wurden einige Menschen ermordet und Familien mussten umgesiedelt werden. Die Menschen aus den Dörfern berichten davon das ohne unsere Anwesenheit noch mehr Morde passiert wären und es auch zu größeren Umsiedlungen gekommen wäre. Die Gemeinden von Micoahumado, einem Bezirk südlich von Bolivar haben ebenso um eine ständige Begleitung von CPT gebeten und bekommen diese auch. In der Vergangenheit wurden die Einwohner von Micoahumado auf Grund von Massakern und anderen Arten von Gewalt gegen sie für kurze Zeit umgesiedelt. Sie wurden Opfer von Landminen, Verseuchung ihrer Felder durch Pestizide und Erpressung.  Auch wenn sie durch die Verhandlungen mit den Militärs, den Paramilitärs und Rebellen erreicht haben das die bewaffneten Konflikte in ihren Städten und Dörfern beendet wurden, werden ihre Leiter immer wieder Opfer von Todesdrohungen. Wir haben uns an ihren Protesten gegen Landminen, die Verseuchung ihrer Felder durch das Versprühen von Pestiziden und dem Hauptanliegen der Proteste weiterhin auf ihrem Land leben und es bewirtschaften zu können beteiligt.


Für die meisten Kolumbianer die in ländlichen Gegenden leben ist es am Wichtigsten weiter auf ihrem Grundbesitz leben zu können. Um sie in ihren Grundrechten zu unterstützen begleiten und besuchen wir auch andere ländlichen Gemeinden und nehmen an verschiedenen Treffen und Aktivitäten in ganz Kolumbien teil. Außer sehr teuren Militäroperationen investiert die Regierung und der Staat wenig in die Entwicklung von ländlichen Regionen. Zum Beispiel sind viele Orte nur zu Fuß oder mit dem Maultier zu erreichen. In diesen Orten ist dann oft nur der Besuch von einer Grundschule möglich und die Gesundheitsversorgung ist auch sehr schlecht. Auf Grund der Schwierigkeiten ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf den Markt zu bringen und der niedrigen Preise, haben viele kleine Bauern auf den Anbau von Kokapflanzen umgestellt. Durch den von den USA finanzierten „Krieg gegen Drogen“ werden in vielen Gegenden große Gebiete mit starken Pestiziden aus der Luft besprüht um die Kokafelder zu zerstören, dabei werden auch die angrenzenden Felder auf denen kein Koka angebaut wird zerstört. Das Versprühen von Pestiziden ist auch ein Grund für die massenhafte Umsiedlung da die Nutzflächen unbrauchbar sind und es auch zu Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung gekommen ist.
Der Anbau von Kokapflanzen zieht verschiedene bewaffnete Gruppierungen an, besonders Paramilitärs und Rebellenorganisationen. Der Kokaanbau und auch andere wirtschaftliche Aktivitäten werden von den bewaffneten Gruppen, egal ob eine illegale Gruppe in Einzelfällen auch legale Gruppe, die die Gegend beherrscht besteuert.
Eine wirtschaftlich lohnende Alternative zum Kokaanbau im Magdalenatal ist das Goldschürfen. Sowohl Gold als auch Kokapaste haben auch in geringen Mengen einen hohen Marktwert und sind mit Maultieren und in Rucksäcken leicht zu transportieren. Aber tausende der Goldschürfer die eine Vielzahl verschiedener Goldminen in der Sierra de San Luca Region betreiben sind ständig gefährdet von ihrem Grundbesitz vertrieben zu werden oder ihren Lebensunterhalt zu verlieren da die Schürfrechte an international operierende Konzerne gegeben werden.


Die Goldgräber haben sich zusammengeschlossen um gegen die Verluste ihres Grundbesitzes und ihre Schürfrechte zu protestieren und wurden Opfer von paramilitärischer und militärischer Gewalt. Im September 2006 wurde ein Mitglied der  Goldschürferföderation vom Militär ermordet. CPT Kolumbien begleitet zur Zeit die Föderation der kleinen Goldschürfer. Zur gleichen Zeit arbeiten wir in einem Netzwerk von kanadischen Organisationen das Lobbyarbeit zur Änderung von kanadischen Gesetzen betreibt. Dieses Netzwerk versucht auch zu erreichen das sich die kanadischen Firmen die in der Region südlich von Bolivar tätig sind an gültige Menschenrechte halten und die lokale Bevölkerung und die Umwelt schützen.


CPT beteiligt sich in der Barrancabermeja Region aktiv an der Arbeit von verschiedenen Organisationen die unter anderem in der Kommunalentwicklung, der Arbeit mit Vertriebenen, in der Arbeit mit Landwirten und vor allem im Bereich von Menschenrechten (Frauen-,  Arbeits-, und Opferrechte) tätig sind. Diese Organisationen waren und sind immer wieder Opfer von Übergriffen durch die Paramilitärs.Wir als CPT werden von diesen Organisationen eingeladen an ihren Veranstaltungen, Protesten und Kampagnen teilzunehmen. Im Gegenzug unterstützen und nehmen sie an von CPT veranstalteten Aktionen und Protesten teil. Die sozialen Organisationen in der Barrancabermeja Region arbeiten sehr eng zusammen und treffen sich zu wöchentlichen Planungssitzungen.

Barrancabermeja und Magdalena Medio Region

Barrancabermeja und Magdalena Medio Region

Barrancabermeja ist eine Stadt mit ungefähr 300 000 Einwohnern und der Sitz der staatseigenen Ölraffinerie, die gleichzeitig die größte Raffinerie Kolumbiens ist. Die Öl- und Viehwirtschaft sind die größten Wirtschaftszweige der Stadt. Barrancabermeja hat einen bedeutenden Hafen am Fluss Magdalena und liegt einige hundert Kilometer entfernt von der Mündung in der karibischen See. Gleichzeitig ist Barrancabermeja die inoffizielle Hauptstadt der Magdalena Medio Region. Barrancabermeja wurde 2000 mit er Unterstützung von lokalen Sicherheitstruppen von Paramilitärs besetzt, nachdem große Teile der Stadt lange von Rebellen kontrolliert wurden. Die Paramilitärs drangen in die Stadt ein, begingen Massaker, Lynchjustiz und vertrieben viele Zivilisten. Neue und veränderte paramilitärische Gruppen gehen, trotz der „offiziellen“ Entwaffnung durch das 2005 von Präsident Alvaro Uribe erlassene Gesetz zur Herstellung von Frieden und Gerechtigkeit, mit der selben Taktik gegen ihre Gegner vor um sie ruhig zu stellen. (Mehr Informationen über das Friedensgesetz kann man im Amnesty International Report über Kolumbien nachlesen (englisch): Das Gesetz garantiert Straffreiheit für Verstöße gegen geltende Menschenrechte.)


Der Name der Magdalena Medio Region kommt vom Magdalena Fluss und bezieht sich auf die Gebiete, einschließlich der Flussniederungen und Bergketten auf beiden Seiten, am Mittellauf des Flusses. Die Gegend ist reich an Bodenschätzen, sehr fruchtbaren Böden, großen Rinderfarmen, Palmenplantagen, Öl- und Gasfeldern sowie Goldminen in Südbolivar. Ebenso wird in verschiedenen Gegenden der Region Kokaanbau betrieben. Aus den Kokapflanzen wird Kokapaste produziert die dann in Drogenlabors zu Kokain weiterverarbeitet wird. Einige kleinere ländliche Gemeinden mussten im Kampf um die Vorherrschaft zwischen Guerilla, Militär und Paramilitär  mehr leiden als Barrancabermeja. Anstatt direkt gegen die Guerilla vorzugehen war es eine übliche Taktik des Militärs und der Paramilitärs durch die Vertreibung der Zivilbevölkerung, der Guerilla ihre Unterstützungsgrundlage zu entziehen
(Mehr Informationen über das Vorgehen der Paramilitärs in der Barrancabermeja und Magdalena Region kann man(auf englisch) im Bericht des Zentrum für International Policy nachlesen: The New Masters of Barranca.)

KOLUMBIEN: "Dieser Rost wird euch anklagen“

CPTnet

2. Dezember 2009

Eine Analyse der Situation in Kolumbien: „Dieser Rost wird euch anklagen“.

Pierre Shantz

Und nun zu euch, ihr Reichen! Weint und jammert über das Elend, das euch erwartet am Tag, an dem Gott Gericht hält! Eure Reichtümer werden dann verfault sein, eure Kleider von den Motten zerfressen, und eure Schätze verrostet. Und dieser Rost wird euch anklagen und euer Fleisch wie Feuer verzehren.

Ihr habt in den letzten Tagen der Welt Reichtum anghäuft. Ihr habt den Leuten, die auf euren Feldern gearbeitet und eure Ernte eingebracht haben, den verdienten Lohn vorenthalten. Das schreit zum Himmel! Ihre Klage ist bis zu den Ohren des Herrn, des Herrschers der Welt, gedrungen.

Euer Leben auf der Erde war mit Luxus und Vergnügen angefüllt. Während der Schlachttag schon vor der Tür stand, habt ihr euch noch gemästet. Ihr habt den Schuldlosen verurteilt und umgebracht, der sich nicht gegen euch gewehrt hat!

Jakobus 5: 1-6

In den vergangenen Wochen erschienen in der durch ihren Enthüllungsjournalismus bekannten kolumbianischen Zeitschrift „Cambio“ Berichte darüber, dass die kolumbianische Regierung reiche Bürger finanziell unterstützt, während arme Kolumbianer auch noch ihren geringen Besitz verlieren. Die Zeitschrift berichtete, dass einige der reichsten Familien Kolumbiens Millionen Dollar erhielten, um damit deren Investionen in die Landwirtschaft zu fördern. Es wurde auch darüber informiert, dass diese Familien zuvor große Geldsummen für den Präsidentschaftswahlkampf von Präsident Uribe sowie für den des ehemaligen Landwirtschaftsministers Andres Felipe Arias 2010 gespendet hatten. Herr Arias war für die Genehmigung der erwähnten Subventionen zuständig.

Zuerst rechtfertigten Präsident Uribe und seine Minister diese Subventionen. Als all dies bekannt wurde, brachten Kolumbianer ihre Bestürzung darüber zum Ausdruck, dass wohlhabende Familien auch weiterhin Gelder von der Regierung erhielten. Gleichzeitig schoben Mitglieder der Regierung Uribe die Schuld auf andere, anstatt selbst Verantwortung dafür zu übernehmen. (Uribe, der nächstes Jahr wieder für die Präsidentschaft kandidieren möchte, sagte sogar, dass in einigen Fällen die Unterstützung zurückbezahlt werden soll.)

Was hat dies mit der Arbeit von CPT in Kolumbien zu tun? CPT ist Teil einer Gruppe von kolumbianischen und internationalen Organisationen, die mit 123 Familien in Las Pavas, einer Kleinstadt in der Provinz Süd-Bolivar, arbeiten. Diese Familien wurden vom Daabon Konzern von ihrem Land vertrieben. Daabon gehört der Familie Davila Abondano, die 2,2 Milliarden Pesos (etwas mehr als 1 Million US Dollar) aus dem erwähnten Subventionsprogramm erhielt. Angeblich bringt Daabon jährlich 120 Millionen Dollar aus der Produktion und dem Export von Gütern wie Bananen, Kaffee, Kakao und Palmöl ein. Sie behaupten, dass sie eine soziale und umweltbewußte Firma seien, da sie organische Produkte anbauten und soziale Dienste für die Orte in ihrer Umgebung bereitstellten.

Die Familien von Las Pavas wurden schon viele Male gewaltsam vertrieben, zuerst von bewaffneten Gruppen und nun von einem großen Unternehmen. 2006 bewarb sich der Ort um ein Darlehen der Staatlichen Landwirtschaftlichen Bank von 234 Millionen Pesos (117 000 US Dollar), um Kakao anzupflanzen, und begannen mit dem kolumbianischen Nationalen Institut für ländliche Entwicklung (INCODER) zu verhandeln, um Eigentumsrechte zu erhalten. Aber am Ende des Jahres kam Jesus Emilio Escobar, der vormalige Besitzer, der zwischenzeitlich aus der Gegend weggezogen war und alle Eigentumsrechte verloren hatte, mit paramilitärischen Truppen zurück und zwang die Menschen in eine Stadt in der Nähe von Buenos Aires zu fliehen. Danach schloss die Firma Daabon mit Herrn Escobar einen Vertrag über das Land ab. Daabon behauptet den Vertrag in gutem Glauben abgeschlossen zu haben, und dass sie nicht wussten, dass eine kleine Gruppe von Bauernfamilien einen berechtigten Anspruch auf das Land hatte. (Der kolumbianischen Verfassung zufolge haben Menschen, die mindestens fünf Jahre lang auf einem Landstück leben und es bearbeiten, das Recht die Eigentumsrechte für dieses Land zu erhalten.) Im Januar 2009 beschlossen die Familien auf ihr Land zurückzukehren, im Vertrauen darauf, dass die Verhandlungen mit INCODER die Eigentumsrechte betreffend erfolgreich sein würden. Daabon ging nun vor Gericht, um einen Räumungsbefehl gegen sie zu erlangen. Am 14. Juli zwang Daabon mit Hilfe des Militärs, der Bereitschaftspolizei und bewaffneter Zivilisten die 123 Familien, Las Pavas zu räumen. Den Familien steht nun ein Rechtsstreit bevor, damit sie ihr Recht auf das Land anerkannt bekommen.

Daabon verkauft Palmöl an den Kosmetikriesen The Body Shop für die Herstellung von Kosmetikartikeln wie Seife und Lotionen. The Body Shop wie auch Daabon behaupten, dass sie sich zur Einhaltung von sozialen und Umweltrichtlinien verpflichteten. In den meisten Reaktionen von The Body Shop und Daabon die Situation in Las Pavas betreffend versuchen diese, ihr Handeln gegenüber dem CPT Team in Kolumbien zu rechtfertigen.

Diese Streitigkeiten um Land sind kein Einzelfall in Kolumbien. 1 % der Bevölkerung besitzt mehr als 50 % des landwirtschaftlich nutzbaren Landes. In einer Zeit, in der Kolumbien der größte Palmölproduzent des amerikanischen Doppelkontinents werden möchte, finden wohlhabendere Familien wie die Davila Abondanoes Mittel und Wege, um staatliche Subventionen zu erhalten und dann ihrerseits Kleinbauern zu vertreiben, ihre „Geldsäcke“ zu füllen und, wie Jakobus schreibt, ein Leben in „Luxus und Vergnügen“ zu führen.

Tadeo Martinez stellt in einem Artikel, den die kolumbianische Zeitschrift „Semana“ am 10. Oktober 2009 veröffentlichte, eine wichtige Frage:

„Die Regierung muss offen sagen, welche Art von Staat sie möchte: einen, in dem die Reichen ... mühelos an staatliche Gelder kommen (zu welchen die Armen durch die Umsatzsteuer viel beigetragen haben), in dem diese aber nur wenige Arbeitsplätze schaffen, gleichzeitig jedoch eine Menge exportieren. Oder einen Staat mit Kleinbauern und solchen mit mittelgroßen Betrieben, die die ganze staatliche Unterstützung erhalten, gleichzeitig in einer arbeitsintensiveren Art und Weise arbeiten und dadurch viel mehr Arbeitsplätze schaffen würden.“

Ich möchte hinzufügen, dass sich nicht nur die kolumbianische Regierung diese Frage stellen muss, sondern auch wir, die wir aus in der nördlichen Hemisphäre gelegenen Ländern kommen. Es ist an der Zeit, die Warnungen des Jakobus ernst zu nehmen. Wollen wir fair gehandelte Waren kaufen, durch die Kleinbauern unterstützt und die Umwelt geschont werden sollen? Oder sind wir damit zufrieden, wenn wir billige Waren kaufen können, die von Großkonzernen importiert wurden, welche alles mit ihrem Betrieb in Zusammenhang Stehende unter dem Gesichtspunkt des finanziellen Zugewinns betrachten, und zwar sowohl die Waren, die sie herstellen, als auch die Menschen, die bei ihnen angestellt sind. Wir können uns nicht einfach zurücklehnen, mit dem Finger auf sie zeigen und denken, dass wir, solange wir keine Bauern von ihrem Land vertreiben, nicht Teil des ausbeuterischen Systems sind. Solange wir diese Waren kaufen, ohne wenigstens etwas Besorgnis zum Ausdruck zu bringen, haben wir nichts anderes getan als Reichtum anzuhäufen. Es ist an der Zeit, unsere Stimme zu erheben und die Geschäftswelt und unsere Regierungen aufzufordern, nicht weiterhin den Reichtum über die Menschen zu stellen. Andernfalls, so ermahnt uns Jakobus, werden „eure Schätze verrosten. Und dieser Rost wird euch anklagen und euer Fleisch wie Feuer verzehren.“

 

Übersetzung: Jürgen Moser, München