Hier erscheinen die Rundbriefe, die seit Februar 2010 auf Deutsch geschrieben wurden.
Navigieren kann man rechts ------------>
Wenn man aus versehen auf dem englischsprachigen Menu drückt kommt man nur mit der "zurück"-Funktion im Browser wieder.
Liebe LeserInnen,
Hier ist der achte Christian Peacemaker Teams (Christlicher Friedensstifter Teams, CPT) Rundbrief in deutscher Sprache. Neben den regelmäßigen Berichten in der Brücke und der CPT-Webseite auf Deutsch werde ich Sie/euch hier über Neuigkeiten erzählen und aktuelle Infos über die Informationsreisen (Delegations) mitteilen.
Dieser Rundbrief ist auch der erste seit meinem Rückkehr aus dem Irak, der wieder im normalen Format kommt.
Der Rundbrief wird an alle Interessenten verschickt, die sich dafür eingetragen haben. Wer den Rundbrief nicht empfangen möchte, kann auf diese Email einfach mit "nicht mehr empfangen" antworten. Neue Interessenten können sich eintragen auf cpt@dmfk.de.
(Hinweis: Links in diesem Rundbrief mit dem Zusatz "(E)" weisen auf englischsprachige Seiten)
Themen dieses Rundbriefs:
1. CPT in Geld- und Menschennot!
2. Christopher Hatton (Hamburg) in den Einsatz
3. Anstehende Informationsreisen
4. Aktuelles aus den Einsatzgebieten
Die gewaltmindernde Solidaritätsarbeit von CPT ist in grossem Not! Es mangelt viele Teams an Personal, und das Zentralbudget hat ein großes Defizit.
Vor allem das Team im Irak hat zu wenig Menschen. Meine Kolleginnen Chihchun Yuan und Michele Naar-Obed sind derzeit die einige Vollzeit- bzw. langfristige Mitarbeiter. Wir brauchen viel mehr, um das Team im Leben zu halten. Wenn wir nicht bald neue Teil- und Vollzeitmitarbeiter finden, muss das Team vielleicht eingestellt werden. Ähnliches gilt auch für das Team in Palästina, welches derzeit nur ein Teil der Woche in At-Tuwani anwesend sein kann. Kennen Sie/kennst du jemanden, der/die sich für eine solche Arbeit interessiert? Oder sind Sie/bist du selber interessiert? Schreibe mir eine Email oder rufe mich an auf 06223-970898.
Uns fehlt nicht nur Personal - auch finanziell wird unsere Arbeit ernsthaft bedroht. Das zentrale Budget hat ein Defizit von $98.400 (€70.500). Die Spenden aus Nordamerika, die bisher den größten Teil der Einnamen ausmachten, sind seit der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen. Um unser Defizit bis November abzubauen brauchen wir dringend Ihre/deine Hilfe. Bitte spendet bis November an DMFK, BLZ 620 500 00 - Konto: 212 400 69, Stichwort: "CPT International".
Christopher Hatton, ein Quäker der Hamburger Andachtsgruppe und CPT-Reservist seit Oktober 2009, geht für acht Wochen nach Palästina. "Ich habe ganz Konsequent über Gottes Aufruf und die Friedensarbeit von Jesus gehört," sagt er. "Ich freue mich sehr nochmals mit den Kindern zu spielen, und ihnen etwas Rugby beizubringen."
"Insha'Allah" wird er ab den 11.11.2010 in zwei Orten in Palästina arbeiten: in der palästinensischen Stadt Al-Chalil/Hebron, und in dem 25 Kilometer entfernten Dorf At-Tuwani, beiden im Westjordanland.
Als freiwilliger Aktivist in CPT hat er eine vielfältige und lernreiche Zeit vor ihm. Er wird oft an Micha 6:8 denken, sagt er: "Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was GOTT von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott."
Es formt sich in seiner Heimatstadt einen Gebetskreis um ihn im Gebet zu unterstützen, oder, wie die Quäker es sagen, ihn, das Team und alle vor Ort "in dem Licht Christi zu halten."
Er berichtet regelmäßig in seinem Weblog (E).
3. Anstehende Informationsreisen
Es gibt wie vorher viele Möglichkeiten, an einer Informationsreise teilzunehmen. Informationsreisen, oder Delegations auf Englisch, bieten Interessenten die Chance, zwei Wochen lang in ein von den Gebieten zu reisen, wo CPT arbeitet, und vor Ort über die Situation zu lernen, lokalen Gemeinschaften zu begegnen und an gewaltmindernde Solidaritätsarbeit zu beteiligen. Auch wenn zwei Wochen nur eine kurze Zeit sind, ist es dennoch möglich in diesem Zeitraum echte Friedensarbeit zu leisten. Überlege, ob Ihre/deine Gemeinde sich dort von einem Gemeindemitglied vertreten lassen will.
Voraussichtlich den 6.-19. September 2011 gibt es eine Informationsreise nach Israel/Palästina in deutscher Sprache. Vor und nach der Reise kommen die TeilnehmerInnen für je ein Wochenende zusammen. Vor der Reise bereiten wir uns gemeinsam vor und nachher werden die Erfahrungen reflektiert und überlegt, ob und wie die Erfahrungen in Handlungen umgesetzt werden können.
Bei dieser deutschsprachigen Reise gibt es zwölf freie Plätze. Obwohl es noch eine Weile entfernt ist, werden Interessenten ermutigt sich möglichst bald zu melden. Neben allgemeine Interessenten suchen wir zwei TeilnehmerInnen, die zwischen Deutsch und Englisch dolmetschen können. Wir rechnen zurzeit für Flug, Aufenthalt, Vorbereitungsseminar und Nachbesprechung mit Kosten von ca. € 1.500 pro Person. Dolmetscher bekommen eine Ermäßigung.
In Kolumbien sind 2010 keine Info-Reisen mehr geplant. 2011 gibt es folgende Termine: 19. Mai-2. Juni, 14.-27. Juli, 22. September-5. Oktober. Hier unterstützt CPT bedrohte Gemeinschaften und Gewerkschaften in ihren Bestrebungen, für ihre Rechten aufzustehen und inmitten des Bürgerkrieges einen Raum für Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. Kosten sind $1300 US (€ 958), plus Flug nach Bogota.
In Israel/Palästina gibt es 2010 noch eine Info-Reise, den 16.-29. November. 2011 sind folgende geplant: 4.-17. Januar, 8.-21. März, 24. Mai-6. Juni, 19. Juli-1. August, und 15.-28. November. Hier hat CPT zwei Teams, in Hebron und im Dorf At-Tuwani, beides im besetzten Westjordanland. CPT unterstützt palästinensische und israelische Friedensgruppen, Gemeinschaften und Schulen in ihrem gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung und Siedlungspolitik. Kosten sind $ 1250 US (€ 921), plus Flug nach Tel-Aviv.
Im Irak gibt es kommendes Jahr voraussichtlich zwei Möglichkeiten, den 31. März-13. April und den 13.-26. Oktober. Diese Daten können ein Wenig verschoben werden, abhängig von Anreisemöglichkeiten. CPT unterstützt im kurdischen Nord-Irak unter anderem Gemeinschaften, deren Dörfer von der Türkei und dem Iran bombardiert werden. CPT berichtet über die sich entwickelnde Krise und weist Regierungen und Organisationen auf ihre Verpflichtungen. Kosten sind $ 1900 US (€ 1400), plus Flug nach Istanbul.
Für Kanada sind noch keine Daten vorhanden. In Asubpeesocheewagong (Grassy Narrows), Canada, unterstützt CPT Ureinwohner, deren Land von industrieller Ausbeutung bedroht wird. Die Reise wird auch andere Gemeinschaften von Ureinwohnern in der Gegend besuchen. Kosten sind $ 425 (€ 325), plus Reisekosten nach Kenora, Ontario.
Es ist üblich, dass Teilnehmende einen Spendenkreis aufbauen, damit die Gemeinde zuhause beteiligt wird bei diesem Einsatz und Zeugnis. Wenn Interessenten keinen Zugang haben zu einem finanzkräftigen Kreis von Unterstützern, kann das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee Hilfe bei der Suche nach finanzieller Unterstützung bieten.
Interessenten für Informationsreisen können mir eine Email schicken.
Auf Informationsreisen wird primär Englisch gesprochen.
Es gibt ständig neue Nachrichten von den Teams in Kolumbien, Irak, Nordamerika und Palästina. Ausführliche Meldungen erscheinen in englischer Sprache auf CPTNet (E).
The Body Shop, bekannt um ihre Ökologische und Faire Waren, war lange Zeit im Geschäft mit Daabon Organics, eine Firme verbunden mit der Vertreibung (E) der Campesinos in Las Pavas. Nach einer Kampagne von CPT hat The Body Shop jetzt ihre Zusammenarbeit mit Daabon eingestellt (E). "Dies ist ein Schritt, der Zeigt, dass was wir sagten, Wahrheit war. Es ist eine Bewegung in Richtung der Gerechtigkeit," so ein Leiter der Bewohner Las Pavas. Ebenfalls in Kolumbien war CPT teil einer Demo (E) gegen die amerikanische Militärpräsenz in dem Land, während einer internationalen Konferenz gegen Militarisierung.
In Kanada gibt es seit Kurzem wieder ein Team, sowie Info-Reisen. Eine Teilnehmerin einer Info-Reise in 2009, damals schwanger, beschreibt (E) ihre Angst, ebenfalls betroffen zu werden von den Vergiftungen die für Ureinwohner in Asubpeeschoseewagong zum Alltag gehören.
CPT veröffentlichte einen Bericht (E) in dem die US-amerikanische Version des Zustands und der Zukunft des Irak befragt wird. CPTler sprachen mit mehreren Irakern aus dem ganzen Land, um zu erfahren, wie sie den derzeitigen amerikanischen militärischen Rückzug erfahren. Das team im Irak sprach auch mit einem ehemaligen kurdischen Widerstandskämpfer, der Kriegsdienstverweigerer (E) wurde.
In der Nähe von Al-Chalil/Hebron wurden palästinensische Weingärten von Siedlern verwüstet (E). In der Stadt selber wurden von dem israelischem Militär zwei Palästinenser getötet (E), sowie mehrere Wohnungen zerstört, als Antwort auf den Mord vier Siedler, einen Monat vorher. CPT war anwesend bei den anschließenden Krawallen. In At-Tuwani schrieb ein Teammitglied über die Ähnlichkeiten (E) zwischen At-Tuwani und die Lage der Ureinwohner in Kanada.
Schließlich eine gute Nachricht: Nach vielen Jahren von gewaltfreiem Kampf (E - Video) hat At-Tuwani jetzt Strom (E).
Viele Grüße aus Bammental,
Marius van Hoogstraten
Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee
Hallo allen,Es ist mal wieder zeit für eine Email. Ich werde
versuchen, ein bisschen weniger zu schreiben als letztes Mal, da ich
sogar Stress habe mit letzten Sachen. Es ist nämlich meine letzte Woche
hier. Mittwoch reise ich ab aus Suleimaniya nach Erbil und Donnerstag
fliege ich von Erbil nach Frankfurt. Und dann bin ich wieder zu hause in
Deutschland.
Also, letzte Sachen. Die wichtigste ist natürlich der Bericht über
unsere Serie Interviews über den amerikanischen Rückzug und die Zukunft
des Irak, welchen ich versuchen will zu beenden bevor meiner Abreise.
Die Interviews sind jetzt beendet und es ist jetzt Zeit das ganze in
einer Art zusammenhängendes Bericht zusammenzufassen. Ein kleiner
Vorschuss: Viele von den Leuten, mit den wir gesprochen haben, fühlen
sich jetzt sicherer als vor drei oder viel Jahren. Sie sagen oft dass es
damit zu tun hat, dass die Amerikaner jetzt nicht mehr in den Städten
patrouillieren und weniger Razzien ausführen. Trotzdem sind Leute im
Allgemeinen nicht so positiv über die Pläne der Amerikaner, das Land so
schnell wie möglich zu verlassen. Leute machen sich Gedanken, dass die
irakische Sicherheitskräfte nicht unabhängig genug sind, dass die
Politiker nicht zu vertrauen sind, und dass die Nachbarländer (Iran,
Saudi-Arabien, usw.) die ganze Sache versuchen werden zu manipulieren.
Manchen sagen, es wäre besser von den Amerikanern besetzt zu werden, als
von den Iranern manipuliert.
Zum Glück habe ich ab und zu noch die Chance, das Haus zu verlassen.
Letzte Woche waren wir mal wieder im Zharawa-Lager. Meine Kollegin
Chihchun hatte zusammen mit unserem Übersetzer Mohammed die Idee mit
einer Gruppe Leute aus Suleimaniya dolma (gefüllte Weinblätter)
zu bereiten und die im Lager zusammen mit den Bewohnern auf zu essen.
Vielen von den Stadtbewohnern - wir waren mit ungefähr 30 meine ich -
fanden es einen Eye-Opener. Eine Frau sagte, es erinnerte sie an
1991, als viele Leute aus Suleimaniya fliehen mussten von Saddam und in
den Bergen - diese Bergen - Zuflucht fanden. Wir wissen nicht genau,
wohin dieser Anfang der Solidarität leiten wird. Wer weiß? Jedenfalls
war es ein schöner Nachmittag, in einem großen Zelt mit etwa hundert
Leuten zusammen zu essen und reden. Ich konnte meine sechs Worte
Kurdisch wieder üben.
Bilder: http://picasaweb.google.com/cptiraq.team/100726DolmaDayZharawaCamp#
Donnerstagabend
gab die Chaldäisch-Katholische Kirche einen Feier. Wir waren mit
unserer westlichen Pünktlichkeit natürlich viel zu früh, aber es hat
sich sicher gelohnt. Es wurde getanzt und (sogar) getrunken, und,
insofern die viel zu laute Musik es erlaubte, geredet. Ein großer Teil
der Gemeinde kommt aus dem Rest des Irak (habe ich schon mal
geschrieben) und ich habe gemütlich mit einer Gruppe aus Bagdad geredet.
Doktor Nabil war ziemlich negativ über Alles, und wusste sicher dass
die Amerikaner alles schon in 1975 geplant hatten und mit Iran
zusammenarbeiteten. Anderen waren weniger pessimistisch, und ich habe
mit Wesam (etwa zwanzig Jahre alt) einen Termin um in einem paar Jahre,
wenn der Krieg vorbei ist, in Bagdad weg zu gehen.
Das ist es für heute!
Viele Grüße,
-Marius
Hallo allen,Es ist wieder Zeit für einen Rundbrief, damit ihr
alle mitbekommt was mich so beschäftigt. Wir haben in letzter Zeit ein
bisschen mehr zu tun gehabt - waren mehr unterwegs im "Feld", wo wir
z.B. eine Nacht in dem euch bekannten Zharawa-Zeltlager verbrachten und
zwei neuere Lager besuchten um über die Lage zu berichten. Darüber
hinaus sind wir mit unserer Umfrage angefangen und haben die Spanier die
WM gewonnen. In dieser Reihenfolge:
Es war eigentlich ein
bisschen zufällig dass wir plötzlich unter den Sternen Reis, Brot und
Joghurt aßen mit Babakir und seiner Familie im Zeltlager für
Vertriebenen nah Zharawa. Wir hatten die Abend in der Nähe ein Gedenken
für einen Opfer des Beschuss, und nachher war es zu spät zurück zu
gehen. Zum Glück waren die Bewohner so gastfreundlich uns ein zu laden
bei ihnen zu essen und übernachten. Für eine Nacht (ohne Winterkälte
oder Mittaghitze) ist es gut zu tun: draußen schlafen, keine Dusche,
kein Strom, keine Gemüse (geschweige denn Fleisch) zum essen. Für mehr
als eine Woche scheint es mir eine Probe. Babakir und seine Familie
wohnen schon drei Jahre dort.
Niemand im Lager sprach Arabisch oder
Englisch, und Mohammed, unser Dolmetscher, hatte frei, also das Gespräch
war ziemlich beschränkt. Das hat aber niemand davon zurückgehalten es
trotzdem zu versuchen und die fünf Worte Englisch der jüngeren
Bewohnern, sowie unsere drei Worte Kurdisch, gaben uns genug Material
bis es Zeit war, schlafen zu gehen. Kollegin Chihchun hatte Wörterbücher
mitgenommen und ich hatte meine Notizen von unserer letzten Klasse
Kurdisch dabei, und konnte daher Sätze sagen wie "Die Katze schläft" und
"bist du verheiratet?" und solches.
Eine Woche später saßen wir
nochmal in einem UNO-Zelt, dies Mal im Dola Schahidan-Lager, in welchem
sich mehr als vierhundert Familien versammelt haben aus zwölf Dörfern.
Sie sind die "neue" Vertriebenen, die ungefähr anderthalb Monat her die
Flucht ergriffen haben da der Beschuss plötzlich stärker wurde. Die
lokale Verwaltung hat ihnen einen Stück Land zugeordnet und sie dann
vergessen. Sie haben Wasser und Zelten bekommen, und eine
Lebensmittelration vom Roten Kreuz, welche offenbar für die Hälfte
morsch war. Die Hügel und Bergen um das Lager sind voll Minen; es gibt
kein Strom, keine Toiletten oder Duschen, keinen Schatten. Und sehr
wenig Chance auf Wiederkehr.
Die Einwohner fürchten dass sie mit
Ramadan nicht fasten können werden. Es ist jetzt viel zu warm, in ein
Zelt zu wohnen - meiner Meinung nach ist es auch für ein Appartement in
Sulaimaniya zu warm - und wenn es im Herbst anfängt zu regnen, wird der
Fluss, der durch das Tal strömt, überlaufen und wird das ganze Lager
vielleicht unbewohnbar werden. Und dann wird es Winter.
Einen Tag
nach unserem Besuch hat der kurdische Ministerpräsident Barham Salih das
Lager besucht, und versprach mehr für die Leute zu tun. Wir werden
sehen.
Am gleichen Tag besuchten wir auch das Lager Gaudschar, nah
der iranische Grenze, wo die Bewohner mit Holz und Blättern ein wenig
mehr Schatten geschafft hatten. Die Hitze war natürlich immer noch
glühend und diesem Lager fehlen nicht nur die gewöhnliche Elektrizität,
Duschen und Toiletten, sondern auch gutes Wasser. Die junge Frau Rania
aus Ali Rasch, einem von den drei Dörfern die sich im Lager Gaudschar
versammelt haben, hat Nierenprobleme. Ihr Arzt sagt, es sei wegen des
Wassers. Sie gaben uns was zum Trinken, wie es die Gastfreundschaft
befehlt, aber es schmeckte tatsächlich ein wenig komisch und ich hatte
nicht so viel Lust das Glas leer zu trinken.
Die Einwohner von Gaudschar
können mit einigem Regelmaß zurück in ihre Dörfer, obwohl nicht ohne
Risiko. Die letzte Zeit war es aber ruhig, und sie nahmen uns mit in das
Dorf Sarchan, ungefähr eine Viertelstunde mit dem Auto entfernt, über
einen steilen Schotterweg, unten im Tal.
Ehrlich gesagt hatte ich
mir noch nicht so viel bei diesen Dörfern vorgestellt. Vielleicht,
dachte ich irgendwo, sind die Dörfer genau so heiß und arm und elend.
Nichts davon - Bäume und Baumgarten, ein Fluss mit Fisch und trinkbarem
Wasser, große Häuser aus Stein und Lehm - viel Kühler als das Betonhaus in dem wir wohnen, geschweige denn so ein Zelt natürlich.
Und
Krater und Granatscherben und zerbrochene Fenster und Mauern. Die Krater
waren nicht so groß wie ich mir vorgestellt hatte, aber ich weiß
natürlich gar nichts von Bombeneinschlägen.
Bilder:
http://picasaweb.google.com/cptiraq.team/GawjarDolaShahidan#
Ich
bemerke dass ich schon mal wieder eine ganze Menge geschrieben habe.
Also, obwohl ich letztes Mal versprochen habe mehr zu erzählen über die
Umfrage unter Freunden und Kontakten im Mitten- und Südirak, um mehr
über ihre Ideen über die Zukunft zu erfahren, werde ich das nicht
machen. Ich werde nur sagen: es ist deprimierend. Es kommen große Listen
zurück mit Sachen die im Irak passieren müssen bevor das Land Frieden
und Gerechtigkeit kennen wird - von "Änderung der Verfassung" bis
"totale EntBaathifizierung" bis "ein Ende an der Korruption" - das Eine
noch Unmöglicher als das Andere.
Vielen sagen, dass sie Angst haben
dass die Politiker versagen werden
eine Regierung zu formen, und dass dies die Gefahr eines Bürgerkrieges
näher bringt. Leute sind auch pessimistisch über die Chancen für den
Irak um ein Unabhängiges Land zu werden - obwohl manchen sagen dass
Unabhängigkeit auch nicht so wichtig ist und dass sie schon ganz
zufrieden wären wenn sie sicher auf die Straße könnten. Tscha.
Noch was deprimierendes (aber kurzfristiger), ist dass "wir" die
Spanier nicht geschlagen haben. Das ist an sich schon schlimm genug,
aber jetzt muss ich jedes mal das Leute entdecken dass ich Niederländer
bin, anhören: "Holanda! Robbensneijder! Ah-- Espanja!" Na ja.
Ich
werde diesen Rundbrief beenden, wie ich mir schon mal vorher
vorgenommen habe, mit Gebetsanliegen.
Bitte, betet für Babakir,
Bapir, Aschti, Serjan und die anderen die schon drei Jahren im
Zharawa-Lager wohnen, und weder heimkehren noch neue Wohnungen bauen
können.
Betet für Ranja, Bahar, Chadidscha, Hamed, Twana, Chidr und
die anderen die in neuen Lagern wie Gaudschar und Dola Schahidan in
Unsicherheit leben.
Betet für die Leute, die jetzt in Baghdad eine
Regierung formen müssen - dass sie begreifen, dass wenn sie Versagen, es
Tausenden das Leben kosten kann.
Danke,
Khwa Hafiz,
Marius
Der Nachmittag beginnt
mit zwei Ereignissen. Zuerst singt
der Muezzin
von der Moschee den Aufruf zum Gebet. Irgendwie wohne ich im Nahen Osten immer neben oder gegenüber einer
Moschee. Nachmittags
ist hier ein der
talentierteren Muezzins dran; derjenige, der um halb
vier morgens das Morgengebet verkündigen darf, weckt in mir nicht
besonders fromme oder wertende Gefühle.
Das zweite Ereignis ist, dass der Ventilator und das Licht sich
an- oder abschalten.
Je nach dem Tag der Woche
haben wir morgens oder nachmittags Elektrizität - ich habe noch keinen
Regelmaß gefunden. Die restliche Zeit - etwa
die Hälfte - erhalten wir Strom von einem gemeinsamen Generator neben
der Moschee,
oder den beiden Batterien im Wohnzimmer, die nur
die Computer und das Internet an der Arbeit halten.
Mit zehn bis
zwölf Stunden pro Tag Strom haben wir es hier in Sulaimaniya ziemlich
gut getroffen. Der Rest des Irak
hat
etwa drei Stunden Strom pro Tag - trotz regelmäßige Versprechungen der
Regierung es zu verbessern. Große Teilen des Netzwerks
sind
noch im ersten Golfkrieg beschädigt, als die
Amerikaner fleißig Kraftwerken beschossen. Nun der siebten 50-Grad
Sommer seit der Invasion so langsam beginnt, werden die Menschen
ungeduldig. In Basra wurden bereits
zwei Menschen von der Polizei während der Demonstration am
Stromministerium erschossen. Der Minister hat
inzwischen zurückgetreten - was die Sache wahrscheinlich auch nicht
weiterhilft.
Noch
ein Ort, wo sie keinen
Strom haben, ist in dem Zeltlager für Vertriebene in Zharawa, wo wir
Anfang dieser Woche auf Besuch waren. Innerhalb der kurdischen
autonomen Zone, also Strom sollte eigentlich kein Problem sein, aber die
regionale
Regierung scheint nicht sehr begeistert das Leben von den 140 Familien,
die vor etwa drei Jahren wegen des Beschuss über welch ich letztes mal
geschrieben hab geflohen sind, zu verbessern. Begründung,
dass die
Regierung nichts tut: Sie sind schon drei Jahre verschoben und
sind darum "alte" vertriebenen; einige Familien mieten Zimmer im Dorf nebenbei, um das Elend der Lager zu entkommen;
als das Lager
geeignete Anlagen bekommt, muss man sie allen anderen Lagern auch geben.
Um den Ernst
der Sache zu betonen, hörten wir während unseres Besuchs eine Art
Rumpeln ein paar Täler entfernt. "Türkische
Kampfflugzeuge", sagte jemand. Ich
hatte den Ton nicht so schnell erkannt . Zehn Minuten später klingelte ein Handy. "Sie haben zwei Dörfer
bombardiert," war die Nachricht.
Nach offiziellen
Berichten, waren die Flugzeuge nur auf einem Erkundungsflug, wenn sie
von der PKK mit
Boden-Luft-Raketen angegriffen wurden. Dann feuerten die
Flugzeuge natürlich zurück, was zur Zerstörung eines großen Stück Land
von den beiden Dörfern fuhr. So lange es dort PKK gibt,
bleiben die türkische und
iranische Bomben fallen - und kann niemand daher sicher zurück in sein
Dorf.
Die Bewohner des Lagers
Zharawa habe die Hoffnung auf Rückkehr aufgegeben und haben
geplant, ein neues Dorf zu bauen (darüber habe ich bereits was
geschrieben). Unsere Zusammenarbeit besteht
meistens daraus, mit den Dorfältesten zu Treffen mit der lokalen
Regierung zu gehen, wie dem Bürgermeister. Die haben
in der Regel absolut keine Lust die traditionell gekleideten
Bergbevölkerung
zuzuhören - aber einige Ausländer finden sie doch mal ganz interessant.
Ich frage mich, wie oft sie noch
überhaupt mit uns reden willen, jetzt dass sie langsam entdecken dass
wir zwar eine internationale Organisation sind, aber gar kein Geld haben
und eigentlich nur wollen dass sie mit den Dorfbewohner reden. Bis
jetzt funktioniert es noch.
Weitere Nachrichten:
1) Ich war zwei Tage
krank, aber jetzt geht es wieder. Unbedingt etwas falsches gegessen, oder es war WM-Entzug
(jetzt dass "wir" Brasilien geschlagen haben geht es mir auch wieder
viel besser. Fußball ist der einzige Ausreden für Nationalgefühl,
behaupte ich).
2) Wir werden eine Art von
Forschung anfangen, in der wir unseren Freunden und Kontakten aus dem
Rest des Irak fragen, wie sie den
Rückzug der US-Armee erfahren (1. September sollen alle Kampftruppen
weg sein).
3) Wir sind jetzt zu viert, nach dem
Ankunft des Amerikaners David, ebenfalls ein "Neuling"
wie ich.
4) Mit einer
Tür und zwei Schubladenkasten hat mein Zimmer jetzt einen Schreibtisch,
wie das Zimmer eines diplomierten Philosophen auch haben soll.
Besonders
über Thema 2),
wahrscheinlich beim nächsten Mal mehr.
Auf Facebook
könnt ihr
Fotos von unserem Besuch in Zharawa sehen. Der folgende Link
sollte
auch für Nicht-Facebook-Nutzer funktionieren:
http://www.facebook.com/album.php?aid=181575&id=595949226&l=6ad2155337
Viele Grüße,
Marius
| Attachment | Size |
|---|---|
| P1010156.JPG | 1.08 MB |
"Es sollte nicht
zu politisch sein." Khalid, Direktor des
Jugendzentrums, ist klar: dies ist eine Ausstellung und ein Konzert in
Solidarität mit den Opfern der jüngsten iranischen Bombardierung. Kein Protest. "Die Veranstaltung ist drinnen, denn der
Bürgermeister war da ein bisschen zurückhaltend." Dieser Bürgermeister war
jedoch beim Konzert anwesend und hatte sich ziemlich militant gegen den
Iran geäußert, also, na ja, vielleicht war Khalid schon ein bisschen zu
vorsichtig.
Ein anderes Extrem ist
Muhammad, der Organisator des Protests gegen das ohrenbetäubende
Schweigen der kurdischen und irakischen Regierungen über die
Bombardierung. "Sie wollten mir keine
Erlaubnis geben", sagt er, "also ging ich ins Büro des
Sicherheitsdienstes sagte: Jetzt geben Sie mir die Erlaubnis, oder
verhaften Sie
mich auf der Stelle - das Protest wird ja weitergehen." Mit
Slogans wie "Die
kurdische Stille über den iranischen Beschuss zeigt den Faschismus in
beiden
Ländern" waren die Banner provokanter als das Protest selbst,
währenddessen Leute
in einer Art Open-Air-Theater saßen und mehrere Reden hörten, unter
welchen
eine meiner Kollegin Peggy.
Die kurdische
Regionalregierung hat sich - unter dem Druck der Bevölkerung - jetzt
relativ
stark gegen die iranische Bombardierung, den Beschuss und auch
Bodentruppen im Grenzgebiet (ein Toter, mehrere
Verletzte, Hunderte von
Flüchtlingen) geäußert, aber die Frage ist jetzt, was das
bringen wird. Irakisch-Kurdistan hat
keine militärischen Möglichkeiten. Die Zentralregierung in
Bagdad - geschweige denn die USA - scheint die Lage nicht so zu
interessieren. Iran war ziemlich still
über die Sache und sagte nur auf PJAK-Rebellen und Schmuggler zu
jagen.
Neben solchen Protesten und dergleichen,
verbringen wir die Tage mit schreiben, auf dem Laufenden bleiben und dem
so genannten "Kontakten knüpfen". Fast
jeden Tag haben wir
einen Termin mit dem einen oder anderen Gruppe die uns, als sehr
zugängliche ausländische Organisation, sehr interessant finden. Normalerweise, leitet das nicht zu besonderer
fruchtbaren Zusammenarbeit (viel vorkommender Punkt ist die
Enttäuschung unserer Gesprächspartner als sie entdecken, dass wir kein
Geld haben), aber es ist sehr interessant, so langsam zu entdecken, was
hier alles spielt: Geld für ehemalige Häftlinge von Saddam das bei korrupte Herrscher
stecken bleibt, Morddrohungen für marxistische Frauengruppen ("zum Glück
schützt der Geheimdienst uns"),
UN-Geld für Flüchtlinge das nie ankommt, israelische
Ausbildung für kurdische Rebellengruppen, etc.
Außerdem erzählt
Kollegin
Peggy, Großmutter aus Ohio, oft Geschichten über ihre Zeit in Bagdad
(2002-2006). Die Leute fragen mich
oft, oder ihre (Enkel-) Sohn bin. Ein weiteres Problem: Da ich
keinen Schnurrbart habe, werde ich oft (noch) jünger als ich bin
geschätzt.
Glücklicherweise waren die
letzten Tage ein bisschen weniger warm (38 Grad), und fand ich eine
Stelle auf dem Dach, wo es morgens Schatten gibt. Besonders von 3.00 bis
07.00 Uhr ist es sehr erträglich.
Heute ist Freitag,
und
deshalb haben wir frei. Die Pläne sind einen
Frisör zu finden (kurdisch: sartashkhana, wörtlich: "Kopfschneidplatz")
und später an der lokalen chaldäischen Kirche eine
Ausstellung zu besuchen. Die Gemeinde besteht
hauptsächlich aus Flüchtlingen aus dem Rest des Irak,
und sie spricht
arabisch, und dass kann ich auch, also das ist schön.
So weit,
khowa Hafiz,
-Marius
Hallo allen,Gestern Abend bin ich in Irak angekommen. Die
kommende acht Wochen werde ich hier als Mitglied des CPT-Teams
beteiligen an die Friedensarbeit die CPT hier leistet. Ich werde jetzt
noch nicht soviel über die Arbeit schreiben. Wer ihn noch nicht gelesen
hat kann dafür den vorherigen Rundbrief
lesen.
Die erste Sache die ich bemerkte als ich aus dem Flugzeug trat: das mit
der Hitze war kein Witz. Obwohl es jetzt einen Sandsturm aus dem Süden
gibt, und die Sonne deshalb nicht so stark ist, war es heute 38 Grad,
und so trocken dass es den Augen Weh tut (obwohl das Letzte natürlich
mit dem Sandsturm zu tun haben kann). Unsere Wohnung hat keine
Klimaanlage, und Juli soll noch schlimmer sein.
Der Weg von Erbil, wo mein Flug ankam, nach Sulaimaniyah, wo CPTs
Haus/Büro ist, führt vorbei Kirkuk, durch ein Gebiet das nicht zur
Autonomen Region Kurdistan gehört. Es soll auf diesem Weg ein bisschen
gefährlicher sein. Neben dem Weg sah ich, neben viele neue Häuser aus
grauem Zement und Erdöl-Abfackeltürme, ein Schild worauf stand: "Sie
werden gebeten keine Waffen zu tragen ohne Genehmigung." Tsja.
Auf dem Weg fuhren wir hinter einem US-Militärkonvoi, welches man nicht
vorbeifahren darf, wodurch das ganze ungefähr eine Stunde länger
dauerte. Meine Kollegen erklärten dass die Soldaten regelmäßig auf Leute
die zu nah kommen schießen. Als wir bei einem von den vielen
Checkpoints vorbei gelassen wurden, winkten die Soldaten uns aber
fröhlich zu und lasen wir auf dem Wagen: "Danke für ihre Unterstützung
und Geduld".
Heute ist noch nicht so vieles passiert. Wir hatten eine Sitzung mit
einer Gruppe die vielleicht unsere Hilfe braucht, eine von meinen zwei
Kolleginnen hat mir die Stadt gezeigt und ich werde ein bisschen
orientiert auf die Arbeit. Meine zwei Kolleginnen sind hier beide schon
mehrere Jahren, also ich kann viel von ihnen lernen. Ich bin gespannt,
wie es sich alles entwickelt.
Im Anhang ein Bild von meinem Zimmer, dem Wohnzimmer im Haus (mit
Peggy Gish, Kollegin) und dem Ausblick vom Dach.
Viele Grüße,
Marius
| Attachment | Size |
|---|---|
| P1000943.JPG | 143.19 KB |
| P1000944.JPG | 559.99 KB |
| P1000945.JPG | 756.75 KB |

Liebe LeserInnen,
Hier ist der zweite Christian Peacemaker Teams (Christlicher Friedensstifter Teams, CPT) Rundbrief in deutscher Sprache. Neben den regelmäßigen Berichten in der Brücke und der wachsenden CPT-Webseite auf Deutsch werde ich Sie/euch hier über Neuigkeiten erzählen und aktuelle Infos über die Informationsreisen (Delegations) mitteilen.
Der Rundbrief wird an alle Interessenten verschickt, die sich dafür eingetragen haben. Wer den Rundbrief nicht empfangen möchte, kann auf diese Email einfach mit "nicht mehr empfangen" antworten. Neue Interessenten können sich eintragen auf marius@dmfk.de.
(Hinweis: Links in diesem Rundbrief mit dem Zusatz "(E)" weisen auf englischsprachige Seiten)
Themen dieses Rundbriefs:
1. Einsatz Marius im Irak, Veranstaltungsreihe
2. Anstehende Informationsreisen
3. Aktuelles aus den Einsatzgebieten
1. Einsatz Marius im Irak, Veranstaltungsreihe
Diesen Sommer werde ich zum ersten Mal zwei Monaten in den Irak reisen, um dort als Teil des CPT-Teams kurdische Gruppen in ihren gewaltfreien Initiativen zu unterstützen. Währenddessen erscheint dieser Rundbrief öfter, und in September und Oktober werde ich persönlich über den Einsatz in mehreren Orten berichten.
Vom 9. Juni bis 4. August bin ich im Irak. Ich fliege direkt von Frankfurt nach Erbil, der derzeitigen Hauptstadt der semi-autonomen Kurdischen Regionalregierung (Kurdish Regional Government, KRG) ab wo ich entweder den gleichen Abend oder am nächsten Morgen weiterreise, um die letzten 200 Kilometer bis Sulaimaniyya abzulegen. Dort treffe ich das CPT-Irak Team, das aus vier bis sechs CPTler besteht. Teilweise sind sie Vollzeitmitarbeiter, teilweise Reservisten wie ich. Als Reservist wird von mir erwartet, jedes Jahr wenigstens zwei Wochen im Einsatz zu gehen und den Rest des Jahres mit der aktuellen Lage vor Ort informiert zu bleiben.
Sie wissen/ihr wisst, dass ich schon mal im Palästina-Team gearbeitet habe, aber ich war noch nie im Irak. Ich bin gespannt - obwohl ich viel gelesen und mit den CPTlern vor Ort gesprochen habe, weiss ich nicht genau wie ich mir alles vorstellen muss. Die Arbeit ist jedenfalls ziemlich anders als die in Palästina, und das gilt natürlich auch für die Sprache, die Kultur und die Geschichte.
CPT im Irak arbeitet viel mit kurdischen Flüchtlingen, zum Beispiel den in Zahrawa. Viele kurdische Dorfgemeinschaften aus den nördlichen und östlichen Grenzgebieten haben unter dem Beschuss der türkischen und iranischen Militärs die Flucht ergriffen. Der offizielle Grund für den Beschuss ist, dass sich kurdische PKK- und PJAK-Rebellen in den Dörfern verstecken, aber das ist nicht nachgewiesen, wird von PKK und PJAK bestritten und ist juristisch kein Grund für die Angriffe auf Zivilisten. CPT berichtet (E) über die Lage und ist im Gespräch mit Vertretern mehrerer Dörfer und lokaler Verwaltungen über die Möglichkeit, mit Begleitung durch CPT ein gemeinsames Dorf zu bauen auf einem sichereren Platz in der Nähe ihrer Heimatdörfer. Darüber hinaus ist CPT im Gespräch mit Flüchtlingen in Makhmur (E), die aus der Türkei fliehen müssten und sich jetzt für den Friedensprozess zwischen der Türkei und der PKK aussprechen. Neben der Arbeit mit Flüchtlingen untersucht CPT die Verfolgung und Schikane der Anhänger der neuen Goran-Liste - siehe dazu Punkt 3, unten.
Dieser Rundbrief erscheint während meines Einsatzes alle zwei Wochen. Ich werde mich hauptsächlich auf meine Erfahrungen im Einsatz sowie Gebetsanliegen und Unterstützungsmöglichkeiten konzentrieren.
Nach meinem Einsatz möchte ich im September und Oktober mehrere Veranstaltungen gestalten, um in interessierten Gemeinden und Gruppen über meine Erfahrungen zu berichten und die Geschichten weitergeben. Einige Veranstaltungen sind schon (fast) geplant, aber ich hab noch genug Zeit übrig. Sie können/ihr könnt mir helfen in Ihrer/eurer Gemeinde oder Gruppe eine Veranstaltung zu planen. Interessenten können mir dafür eine Email schreiben auf marius@dmfk.de (oder diese Email beantworten). Vielen Dank!
2. Anstehende Informationsreisen
Es gibt viele Möglichkeiten, an einer Informationsreise teilzunehmen. Informationsreisen, oder Delegations auf Englisch, bieten Interessenten die Chance, zwei Wochen lang in ein von den Gebieten zu reisen, wo CPT arbeitet, und vor Ort über die Situation zu lernen, lokale Gemeinschaften zu begegnen und ihre Geschichten zu hören. Auch wenn zwei Wochen nur eine kurze Zeit sind, ist es dennoch möglich in diesem Zeitraum echte Friedensarbeit zu leisten. Überlege, ob Ihre/deine Gemeinde sich dort von einem Gemeindemitglied vertreten lassen will.
Voraussichtlich den 6.-19. September 2011 gibt es eine Informationsreise nach Israel/Palästina in deutscher Sprache. Vor und nach der Reise kommen die TeilnehmerInnen für je ein Wochenende zusammen. Vor der Reise bereiten wir uns gemeinsam vor und nachher werden die Erfahrungen reflektiert und überlegt, ob und wie die Erfahrungen in Handlungen umgesetzt werden können.
Bei dieser deutschsprachigen Reise gibt es zwölf freie Plätze. Obwohl es noch eine Weile entfernt ist, werden Interessenten ermutigt sich möglichst bald zu melden. Neben allgemeine Interessenten suchen wir zwei TeilnehmerInnen, die zwischen Deutsch und Englisch dolmetschen können.
Wir rechnen zurzeit für Flug, Aufenthalt, Vorbereitungsseminar und Nachbesprechung mit Kosten von ca. € 1.500 pro Person. Dolmetscher bekommen eine Ermässigung.
In Kolumbien sind folgende Informationsreisen in diesem Jahr geplant: 12.-25. Mai, 14.-27. Juli, und 15.-28. September. Hier unterstützt CPT bedrohte Gemeinschaften und Gewerkschaften in ihren Bestrebungen, für ihre Rechten aufzustehen und inmitten des Bürgerkrieges einen Raum für Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. Kosten sind $1300 US (€ 958), plus Flug nach Bogota.
In Israel/Palästina gibt es 2010 folgende Termine für Informationsreisen: 20. Juli-2. August, 5.-18. Oktober und 16.-29 November. Hier hat CPT zwei Teams, in Hebron und im Dorf At-Tuwani, beides im besetzten Westjordanland. CPT unterstützt palästinensische und israelische Friedensgruppen, Gemeinschaften und Schulen in ihrem gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung und Siedlungspolitik. Kosten sind $ 1250 US (€ 921), plus Flug nach Tel-Aviv.
In Irak gibt es dieses Jahr nur noch eine Möglichkeit, den 14.-28. Oktober (Bewerbungsschluß 1. September). CPT unterstützt im kurdischen Nord-Irak unter anderem Gemeinschaften, deren Dörfer von der Türkei und dem Iran bombardiert werden. Die Gemeinschaften informieren über ihr Schicksal und heben die Stimme für den Frieden, mithilfe von CPT. Kosten sind $ 1900 US (€ 1400), plus Flug nach Istanbul.
In Kanada sind auch zwei Informationsreisen vorgesehen: 13.-23. August und 24. September-6. Oktober. In Asubpeesocheewagong (Grassy Narrows), Canada, unterstützt CPT Ureinwohner, deren Land von industrieller Ausbeutung bedroht wird. Die Reise wird auch andere Gemeinschaften von Ureinwohnern in der Gegend besuchen. Kosten sind $ 425 (€ 325), plus Reisekosten nach Kenora, Ontario. Diese Kanada-Reisen stehen noch nicht ganz fest.
Es ist üblich, dass Teilnehmende einen Spendenkreis aufbauen, damit die Gemeinde zuhause beteiligt wird bei diesem Einsatz und Zeugnis. Wenn Interessenten keinen Zugang haben zu einem finanzkräftigen Kreis von Unterstützern, kann das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee Hilfe bei der Suche nach finanzieller Unterstützung bieten.
Interessenten für Informationsreisen können mir eine Email schicken.
Auf Informationsreisen wird primär Englisch gesprochen.
3. Aktuelles aus den Einsatzgebieten
Es gibt ständig neue Nachrichten von den Teams in Kolumbien, Irak, Nordamerika und Palästina. Ausführliche Meldungen erscheinen in englischer Sprache auf CPTNet.
Aber zuerst eine Nachricht nicht von einem Team:
Am 10. März 2010 starb CPT-Gründungsdirektor Gene Stoltzfus an einem Herzinfarkt in Fort Frances, Ontario beim Radfahren in der Nähe seiner Wohnung. Er war nach der Gründung CPTs im Jahr 1986 23 Jahre deren Geschäftsführer. Jakob Fehr vom DMFK schreibt in Der Brücke (3/2010): "Ich bin traurig, zugleich jedoch sehr froh, dass ich einige Tage mit ihm verbringen und von ihm lernen konnte."
In Oaxaca, Mexico, ist am 27. April ein Hilfskonvoi von Paramilitären angegriffen worden (E). Alberta "Bety" Cariño Trujillo, eine von den zwei getöteten, hat während der CPT-Präsenz in Oaxaca 2006 eng mit dem Team zusammengearbeitet.
Ein CPTler, Rey Lopez, ist jetzt in Bangkok (E) in Unterstützung der gewaltfreien Protesten. Er schreibt Briefe (E) über seine Erfahrungen.
Anhänger der neue Goran-Liste in der kurdischen regionalen Politik werden verfolgt (E), wahrscheinlich von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). CPT interviewt mehrere Anhänger und hört Geschichten über Folterung, Vertreibung und Schikanen. Sehe auch die Videos: 1 (E), 2 (E).
In At-Tuwani, Palästina, wurden am 15. April Schulkinder von israelischen Siedlern angegriffen. Das israelische Militär ist verpflichtet, die Kinder vor den Siedlern zu schützen, aber ihr Begleitschutz ist oft mangelhaft, wie dieser Fall belegt.
Viele Grüße aus Bammental,
Marius van Hoogstraten
Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee

Liebe LeserInnen,
Hier ist der erste Christian Peacemaker Teams (Christlicher Friedensstifter Teams, CPT) Rundbrief in deutscher Sprache. Neben den regelmäßigen Berichten in der Brücke und der wachsenden CPT-Webseite auf Deutsch werde ich Sie/euch hier über Neuigkeiten berichten und aktuelle Infos über die Informationsreisen (Delegations) mitteilen.
Der Rundbrief wird an alle Interessierten verschickt, die sich dafür eingetragen haben. Wer den Rundbrief nicht empfangen möchte, kann auf diese Email einfach mit "nicht mehr empfangen" antworten.
Themen dieses Rundbriefs:
1. CPT auf Deutsch wächst: Webseite, Plakate und Vorträge
2. Anstehende Informationsreisen nach Kolumbien, Israel/Palästina und Irak
3. Neueste Nachrichten aus den Einsatzgebieten
1. CPT auf Deutsch wächst
Bei unserem CPT-Netwerk im deutschsprachigen Raum läuft es immer besser. Seit September gibt es die CPT-Webseite auf Deutsch, wir haben inzwischen Plakate über die Informationsreisen gestaltet und CPT in mehreren Gemeinden vorgestellt.
An der Übersetzung der Christian Peacemaker Teams-Webseite arbeitet jetzt ein Team von sechs Freiwilligen. Es kommen häufig neue Artikeln dazu, damit auch deutschsprachige Interessenten mehr über CPT lernen können. Wir suchen noch immer nach neuen Übersetzern. Wer uns unterstützen mag, kann mir eine Email schicken. http://www.cpt-de.org/
Darüber hinaus haben wir neue farbige Plakate gestaltet, um die Möglichkeiten, an Informationsreisen teilzunehmen, bekannter zu machen. Etwa siebzig sind schon verteilt worden in Gemeinden in Deutschland und in der Schweiz. Die Plakate sind online verfügbar: http://www.cpt.org/de/ueber_cpt/poster Wenn es Interesse gibt, die Plakate in Ihrem/deinem Bereich zu verteilen, kann ich sie auch per Post zusenden. Schicke mir dafür eine Email.
Neben der Webseite und den Plakaten gab es mehrere Vorträge und Workshops über CPT in Deutschland und der Schweiz. Manchmal haben der CPT-Reservist Christopher Hatton aus Hamburg und ich Geschichten erzählt, Bilder und Videos gezeigt und Fragen beantwortet, und manchmal haben wir mit dem Publikum Rollenspielen gemacht, die den CPT-Einsätzen ähneln, damit man ein Gefühl für die Arbeit bekommen kann. Sie/Du können/kannst uns auch einladen! In Süddeutschland/in der Schweiz stehe ich zur Verfügung: marius@dmfk.de. In Norddeutschland ist Christopher verfügbar, Handy: 01751566153.
2. Anstehende Informationsreisen
In diesem Jahr gibt es viele Möglichkeiten, an einer Informationsreise teilzunehmen. Informationsreisen, oder Delegations auf Englisch, bieten Interessenten die Chance, zwei Wochen lang in ein von den Gebieten zu reisen, wo CPT arbeitet, und vor Ort über die Situation zu lernen, lokale Gemeinschaften zu begegnen und ihre Geschichten zu hören. Auch wenn zwei Wochen nur eine kurze Zeit sind, ist es dennoch möglich in diesem Zeitraum echte Friedensarbeit zu leisten. Überlegen Sie sich/Überleg dich, ob Ihre/deine Gemeinde sich dort von einem/r Gemeindemitglied vertreten lassen will. Wenn Geld ein Problem ist, kann DMFK bei der Suche nach finanzieller Unterstützung helfen.
In Kolumbien sind folgende Informationsreisen geplant: 12.-25. Mai, 14.-27. Juli, und 15.-28. September. Hier unterstützt CPT bedrohte Gemeinschaften und Gewerkschaften in ihre Bestrebungen, für ihre Rechten aufzustehen und inmitten des Bürgerkrieges einen Raum für Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. Kosten sind $1300 US (€ 958), plus Flug nach Bogota.
In Israel/Palästina gibt es folgende Termine für Informationsreisen: 20. Juli-2. August, 5.-18. Oktober und 16.-29 November. Hier hat CPT zwei Teams, in Hebron und in at-Tuwani, beides im besetzten Westjordanland. CPT unterstützt palästinensische und israelische Friedensgruppen, Gemeinschaften und Schulen in ihrem gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung und Siedlungspolitik. Kosten sind $ 1250 US (€ 921), plus Flug nach Tel-Aviv.
In Irak sind zwei Informationsreisen vorgesehen: 15.-29. April (Bewerbungsschluß 1. März) und 14.-28. Oktober (Bewerbungsschluß 1. September). CPT unterstützt im kurdischen Nord-Irak Gemeinschaften, deren Dörfer von der Türkei und dem Iran bombardiert werden, informiert über ihr Schicksal und hebt die Stimme für den Frieden. Kosten sind € 1900 US (€ 1400), plus Flug nach Istanbul.
Es ist üblich, dass Teilnehmende einen Spendenkreis aufzubauen, damit die Gemeinde zuhause beteiligt wird bei diesem Einsatz und Zeugnis. Wenn Interessenten keinen Zugang haben zu einem finanzkräftigen Kreis von Unterstützern, kann das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee Hilfe bei der Suche nach finanzieller Unterstützung bieten.
Interessenten für Informationsreisen können mir eine Email schicken, direkt Kontakt aufnehmen mit CPT in Chicago (delegations@cpt.org) oder sich direkt bewerben: http://cpt.org/participate/delegation/apply
Auf Informationsreisen wird primär Englisch gesprochen.
3. Aktuelles aus den Einsatzgebieten
Es gibt ständig neue Nachrichten von den Teams in Kolumbien, Irak und Palästina. Ausführliche Meldungen erscheinen in englischer Sprache auf CPTNet.
Am 29. März 2003 sind zwei CPTler im Irak auf dem Weg von Baghdad nach Amman bei einem Autounfall verletzt worden. In einem irakischen Krankenhaus werden sie kostenlos versorgt, obwohl es drei Tagen vorher von amerikanische Flugzeuge bombardiert wurde. Teil 1, Teil 2, und Teil 3.
Am 10. Februar 2010 sind zwei Gewerkschaftler in Kolumbien von Paramilitären erschossen worden. Die zwei gehörten zum Sud-Bolivar Landwirtschaft und Bergbau-Föderation" (MFEDEAGROMISBOL), mit dem CPT seit 2006 zusammenarbeitet. Eine Koaliton von Organisationen hat dazu einen Pressebericht versandt.
Eine Gemeinde von 196 Familien ist wieder aus Villa Dignidad, einer Vorstadt von Barrancabermeja in Kolumbien, vertrieben worden.
Israelische Soldaten und Siedler sind kürzlich in At-Tuwani einmarschiert. Die Bewohner verhielten sich jedoch gewaltfrei und pflanzen Bäumen gegen Besatzung und Siedlung: Teil 1 und Teil 2.
Grüße aus Bammental,
-Marius
Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee