Rundbrief 2, Mai 2010
CPT-Rundbrief 2, Mai 2010
Liebe LeserInnen,
Hier ist der zweite Christian Peacemaker Teams (Christlicher Friedensstifter Teams, CPT) Rundbrief in deutscher Sprache. Neben den regelmäßigen Berichten in der Brücke und der wachsenden CPT-Webseite auf Deutsch werde ich Sie/euch hier über Neuigkeiten erzählen und aktuelle Infos über die Informationsreisen (Delegations) mitteilen.
Der Rundbrief wird an alle Interessenten verschickt, die sich dafür eingetragen haben. Wer den Rundbrief nicht empfangen möchte, kann auf diese Email einfach mit "nicht mehr empfangen" antworten. Neue Interessenten können sich eintragen auf marius@dmfk.de.
(Hinweis: Links in diesem Rundbrief mit dem Zusatz "(E)" weisen auf englischsprachige Seiten)
Themen dieses Rundbriefs:
1. Einsatz Marius im Irak, Veranstaltungsreihe
2. Anstehende Informationsreisen
3. Aktuelles aus den Einsatzgebieten
1. Einsatz Marius im Irak, Veranstaltungsreihe
Diesen Sommer werde ich zum ersten Mal zwei Monaten in den Irak reisen, um dort als Teil des CPT-Teams kurdische Gruppen in ihren gewaltfreien Initiativen zu unterstützen. Währenddessen erscheint dieser Rundbrief öfter, und in September und Oktober werde ich persönlich über den Einsatz in mehreren Orten berichten.
Vom 9. Juni bis 4. August bin ich im Irak. Ich fliege direkt von Frankfurt nach Erbil, der derzeitigen Hauptstadt der semi-autonomen Kurdischen Regionalregierung (Kurdish Regional Government, KRG) ab wo ich entweder den gleichen Abend oder am nächsten Morgen weiterreise, um die letzten 200 Kilometer bis Sulaimaniyya abzulegen. Dort treffe ich das CPT-Irak Team, das aus vier bis sechs CPTler besteht. Teilweise sind sie Vollzeitmitarbeiter, teilweise Reservisten wie ich. Als Reservist wird von mir erwartet, jedes Jahr wenigstens zwei Wochen im Einsatz zu gehen und den Rest des Jahres mit der aktuellen Lage vor Ort informiert zu bleiben.
Sie wissen/ihr wisst, dass ich schon mal im Palästina-Team gearbeitet habe, aber ich war noch nie im Irak. Ich bin gespannt - obwohl ich viel gelesen und mit den CPTlern vor Ort gesprochen habe, weiss ich nicht genau wie ich mir alles vorstellen muss. Die Arbeit ist jedenfalls ziemlich anders als die in Palästina, und das gilt natürlich auch für die Sprache, die Kultur und die Geschichte.
CPT im Irak arbeitet viel mit kurdischen Flüchtlingen, zum Beispiel den in Zahrawa. Viele kurdische Dorfgemeinschaften aus den nördlichen und östlichen Grenzgebieten haben unter dem Beschuss der türkischen und iranischen Militärs die Flucht ergriffen. Der offizielle Grund für den Beschuss ist, dass sich kurdische PKK- und PJAK-Rebellen in den Dörfern verstecken, aber das ist nicht nachgewiesen, wird von PKK und PJAK bestritten und ist juristisch kein Grund für die Angriffe auf Zivilisten. CPT berichtet (E) über die Lage und ist im Gespräch mit Vertretern mehrerer Dörfer und lokaler Verwaltungen über die Möglichkeit, mit Begleitung durch CPT ein gemeinsames Dorf zu bauen auf einem sichereren Platz in der Nähe ihrer Heimatdörfer. Darüber hinaus ist CPT im Gespräch mit Flüchtlingen in Makhmur (E), die aus der Türkei fliehen müssten und sich jetzt für den Friedensprozess zwischen der Türkei und der PKK aussprechen. Neben der Arbeit mit Flüchtlingen untersucht CPT die Verfolgung und Schikane der Anhänger der neuen Goran-Liste - siehe dazu Punkt 3, unten.
Dieser Rundbrief erscheint während meines Einsatzes alle zwei Wochen. Ich werde mich hauptsächlich auf meine Erfahrungen im Einsatz sowie Gebetsanliegen und Unterstützungsmöglichkeiten konzentrieren.
Nach meinem Einsatz möchte ich im September und Oktober mehrere Veranstaltungen gestalten, um in interessierten Gemeinden und Gruppen über meine Erfahrungen zu berichten und die Geschichten weitergeben. Einige Veranstaltungen sind schon (fast) geplant, aber ich hab noch genug Zeit übrig. Sie können/ihr könnt mir helfen in Ihrer/eurer Gemeinde oder Gruppe eine Veranstaltung zu planen. Interessenten können mir dafür eine Email schreiben auf marius@dmfk.de (oder diese Email beantworten). Vielen Dank!
2. Anstehende Informationsreisen
Es gibt viele Möglichkeiten, an einer Informationsreise teilzunehmen. Informationsreisen, oder Delegations auf Englisch, bieten Interessenten die Chance, zwei Wochen lang in ein von den Gebieten zu reisen, wo CPT arbeitet, und vor Ort über die Situation zu lernen, lokale Gemeinschaften zu begegnen und ihre Geschichten zu hören. Auch wenn zwei Wochen nur eine kurze Zeit sind, ist es dennoch möglich in diesem Zeitraum echte Friedensarbeit zu leisten. Überlege, ob Ihre/deine Gemeinde sich dort von einem Gemeindemitglied vertreten lassen will.
Voraussichtlich den 6.-19. September 2011 gibt es eine Informationsreise nach Israel/Palästina in deutscher Sprache. Vor und nach der Reise kommen die TeilnehmerInnen für je ein Wochenende zusammen. Vor der Reise bereiten wir uns gemeinsam vor und nachher werden die Erfahrungen reflektiert und überlegt, ob und wie die Erfahrungen in Handlungen umgesetzt werden können.
Bei dieser deutschsprachigen Reise gibt es zwölf freie Plätze. Obwohl es noch eine Weile entfernt ist, werden Interessenten ermutigt sich möglichst bald zu melden. Neben allgemeine Interessenten suchen wir zwei TeilnehmerInnen, die zwischen Deutsch und Englisch dolmetschen können.
Wir rechnen zurzeit für Flug, Aufenthalt, Vorbereitungsseminar und Nachbesprechung mit Kosten von ca. € 1.500 pro Person. Dolmetscher bekommen eine Ermässigung.
In Kolumbien sind folgende Informationsreisen in diesem Jahr geplant: 12.-25. Mai, 14.-27. Juli, und 15.-28. September. Hier unterstützt CPT bedrohte Gemeinschaften und Gewerkschaften in ihren Bestrebungen, für ihre Rechten aufzustehen und inmitten des Bürgerkrieges einen Raum für Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. Kosten sind $1300 US (€ 958), plus Flug nach Bogota.
In Israel/Palästina gibt es 2010 folgende Termine für Informationsreisen: 20. Juli-2. August, 5.-18. Oktober und 16.-29 November. Hier hat CPT zwei Teams, in Hebron und im Dorf At-Tuwani, beides im besetzten Westjordanland. CPT unterstützt palästinensische und israelische Friedensgruppen, Gemeinschaften und Schulen in ihrem gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung und Siedlungspolitik. Kosten sind $ 1250 US (€ 921), plus Flug nach Tel-Aviv.
In Irak gibt es dieses Jahr nur noch eine Möglichkeit, den 14.-28. Oktober (Bewerbungsschluß 1. September). CPT unterstützt im kurdischen Nord-Irak unter anderem Gemeinschaften, deren Dörfer von der Türkei und dem Iran bombardiert werden. Die Gemeinschaften informieren über ihr Schicksal und heben die Stimme für den Frieden, mithilfe von CPT. Kosten sind $ 1900 US (€ 1400), plus Flug nach Istanbul.
In Kanada sind auch zwei Informationsreisen vorgesehen: 13.-23. August und 24. September-6. Oktober. In Asubpeesocheewagong (Grassy Narrows), Canada, unterstützt CPT Ureinwohner, deren Land von industrieller Ausbeutung bedroht wird. Die Reise wird auch andere Gemeinschaften von Ureinwohnern in der Gegend besuchen. Kosten sind $ 425 (€ 325), plus Reisekosten nach Kenora, Ontario. Diese Kanada-Reisen stehen noch nicht ganz fest.
Es ist üblich, dass Teilnehmende einen Spendenkreis aufbauen, damit die Gemeinde zuhause beteiligt wird bei diesem Einsatz und Zeugnis. Wenn Interessenten keinen Zugang haben zu einem finanzkräftigen Kreis von Unterstützern, kann das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee Hilfe bei der Suche nach finanzieller Unterstützung bieten.
Interessenten für Informationsreisen können mir eine Email schicken.
Auf Informationsreisen wird primär Englisch gesprochen.
3. Aktuelles aus den Einsatzgebieten
Es gibt ständig neue Nachrichten von den Teams in Kolumbien, Irak, Nordamerika und Palästina. Ausführliche Meldungen erscheinen in englischer Sprache auf CPTNet.
Aber zuerst eine Nachricht nicht von einem Team:
Am 10. März 2010 starb CPT-Gründungsdirektor Gene Stoltzfus an einem Herzinfarkt in Fort Frances, Ontario beim Radfahren in der Nähe seiner Wohnung. Er war nach der Gründung CPTs im Jahr 1986 23 Jahre deren Geschäftsführer. Jakob Fehr vom DMFK schreibt in Der Brücke (3/2010): "Ich bin traurig, zugleich jedoch sehr froh, dass ich einige Tage mit ihm verbringen und von ihm lernen konnte."
In Oaxaca, Mexico, ist am 27. April ein Hilfskonvoi von Paramilitären angegriffen worden (E). Alberta "Bety" Cariño Trujillo, eine von den zwei getöteten, hat während der CPT-Präsenz in Oaxaca 2006 eng mit dem Team zusammengearbeitet.
Ein CPTler, Rey Lopez, ist jetzt in Bangkok (E) in Unterstützung der gewaltfreien Protesten. Er schreibt Briefe (E) über seine Erfahrungen.
Anhänger der neue Goran-Liste in der kurdischen regionalen Politik werden verfolgt (E), wahrscheinlich von der Patriotischen Union Kurdistans (PUK). CPT interviewt mehrere Anhänger und hört Geschichten über Folterung, Vertreibung und Schikanen. Sehe auch die Videos: 1 (E), 2 (E).
In At-Tuwani, Palästina, wurden am 15. April Schulkinder von israelischen Siedlern angegriffen. Das israelische Militär ist verpflichtet, die Kinder vor den Siedlern zu schützen, aber ihr Begleitschutz ist oft mangelhaft, wie dieser Fall belegt.
Viele Grüße aus Bammental,
Marius van Hoogstraten
Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee