Rundbrief 7 - Marius im Irak 5

CPT-Rundbrief 7 - Marius im Irak 5

 

Hallo allen,

Es ist mal wieder zeit für eine Email. Ich werde versuchen, ein bisschen weniger zu schreiben als letztes Mal, da ich sogar Stress habe mit letzten Sachen. Es ist nämlich meine letzte Woche hier. Mittwoch reise ich ab aus Suleimaniya nach Erbil und Donnerstag fliege ich von Erbil nach Frankfurt. Und dann bin ich wieder zu hause in Deutschland.

Also, letzte Sachen. Die wichtigste ist natürlich der Bericht über unsere Serie Interviews über den amerikanischen Rückzug und die Zukunft des Irak, welchen ich versuchen will zu beenden bevor meiner Abreise. Die Interviews sind jetzt beendet und es ist jetzt Zeit das ganze in einer Art zusammenhängendes Bericht zusammenzufassen. Ein kleiner Vorschuss: Viele von den Leuten, mit den wir gesprochen haben, fühlen sich jetzt sicherer als vor drei oder viel Jahren. Sie sagen oft dass es damit zu tun hat, dass die Amerikaner jetzt nicht mehr in den Städten patrouillieren und weniger Razzien ausführen. Trotzdem sind Leute im Allgemeinen nicht so positiv über die Pläne der Amerikaner, das Land so schnell wie möglich zu verlassen. Leute machen sich Gedanken, dass die irakische Sicherheitskräfte nicht unabhängig genug sind, dass die Politiker nicht zu vertrauen sind, und dass die Nachbarländer (Iran, Saudi-Arabien, usw.) die ganze Sache versuchen werden zu manipulieren. Manchen sagen, es wäre besser von den Amerikanern besetzt zu werden, als von den Iranern manipuliert.

Zum Glück habe ich ab und zu noch die Chance, das Haus zu verlassen. Letzte Woche waren wir mal wieder im Zharawa-Lager. Meine Kollegin Chihchun hatte zusammen mit unserem Übersetzer Mohammed die Idee mit einer Gruppe Leute aus Suleimaniya dolma (gefüllte Weinblätter) zu bereiten und die im Lager zusammen mit den Bewohnern auf zu essen. Vielen von den Stadtbewohnern - wir waren mit ungefähr 30 meine ich - fanden es einen Eye-Opener. Eine Frau sagte, es erinnerte sie an 1991, als viele Leute aus Suleimaniya fliehen mussten von Saddam und in den Bergen - diese Bergen - Zuflucht fanden. Wir wissen nicht genau, wohin dieser Anfang der Solidarität leiten wird. Wer weiß? Jedenfalls war es ein schöner Nachmittag, in einem großen Zelt mit etwa hundert Leuten zusammen zu essen und reden. Ich konnte meine sechs Worte Kurdisch wieder üben.
Bilder: http://picasaweb.google.com/cptiraq.team/100726DolmaDayZharawaCamp#

Donnerstagabend gab die Chaldäisch-Katholische Kirche einen Feier. Wir waren mit unserer westlichen Pünktlichkeit natürlich viel zu früh, aber es hat sich sicher gelohnt. Es wurde getanzt und (sogar) getrunken, und, insofern die viel zu laute Musik es erlaubte, geredet. Ein großer Teil der Gemeinde kommt aus dem Rest des Irak (habe ich schon mal geschrieben) und ich habe gemütlich mit einer Gruppe aus Bagdad geredet. Doktor Nabil war ziemlich negativ über Alles, und wusste sicher dass die Amerikaner alles schon in 1975 geplant hatten und mit Iran zusammenarbeiteten. Anderen waren weniger pessimistisch, und ich habe mit Wesam (etwa zwanzig Jahre alt) einen Termin um in einem paar Jahre, wenn der Krieg vorbei ist, in Bagdad weg zu gehen.

Das ist es für heute!

Viele Grüße,

-Marius